AFRICAN INDABA

6    Reflexionen zur Situation des  Atlashirsches (Cervus elaphus barbarus) in Nord-afrika

Joachim A. Wadsack, Kommission Tropenwild des CIC 

Von den Unterarten des Rotwildes (Cervus elaphus) kommt nur eine endemisch in Nordafrika vor. Es ist die Unterart  C. e. barbarus. Die Länge vom  Kopf-Rumpf  beträgt 190 cm,  mit einer die Schulterhöhe 130 bis 140 cm bei den Hirschen. Die Alttiere sind kleiner. Bei den weiblichen Tieren beträgt das Gewicht bis zu 70 kg und bis 200 kg bei den Hirschen. Das Geweih erreicht eine Länge von 80 bis 90 cm. Das Winterfell ist dunkel graubraun, mit langen und wolligen Haaren. Das Sommerfell ist rötlichbraun und dünn. Die  weiblichen Tiere   haben mehr oder weniger sichtbare, in Längslinien angeordnete, elfenbeinfarbene Flecken. Die Jungtiere sind stark gefleckt und wiegen ca. 17 kg bei der Geburt. 

Die Geweihe der starken Hirsche haben 16 -18 Enden mit einem Geweihgewicht bis zu 3,5 kg. Die Hirsche werfen im Februar – März ab. Die neue Geweihbildung ist im  zum Juli abgeschlossenDer Atlas Hirsch lebt den Wäldern in den winterfeuchten subhumiden Subtropen Nordafrikas.  Diese sind gekennzeichnet  durch Winterregen  und einer mediterranen  Vegetation wie  Korkeiche (Quercus suber),  der Kermeseiche (Quercus coccifera, der Steineiche (Quercus ilex), Aleppokiefer (Pinus halepensis), Pistazie  ( Pistacia lentiscus) Erdbeerstrauch (Arbutus unedo) und einer weiteren Vielzahl von Pflanzen der mediteranen  Macchie.  

Geschichte

 

 Der Atlashirsch war über ganz Nordafrika verteilt und  wurde im Laufe der Zeit auf ein kleines Vorkommen im algerisch-tunesischen Grenzbereich um Tabarka – Ain Draham  im Nordwesten Tunesiens  zurückgedrängt. Bedingt war dies durch die Waldrodungen, die  exzessive Jagd und die Klimaveränderungen seit der Römerzeit. In der Neuzeit spielten wachsende Bevölkerung, Waldbrände und die Wilderei eine Rolle. Das Rotwild ist im ganzen Verbreitungsgebiet geschützt. Dies steht oft aber nur auf dem Papier. Ein wirksames Management fehlt vielerorts. Die besten Voraussetzungen für eine Ausbreitung dieser Wildart sind in Tunesien gegeben. 

Ausgangssituation in den Maghrebländern 

Algerien: In Algerien gab es Bemühungen zur Rettung des Atlashirsches. 1960 wurde der Bestand auf 200 Tiere geschätzt. Durch die Unruhen in den 90iger Jahren wechselten viele Tiere von Algerien nach Tunesien in die an der Grenze liegende Schutzgebiete. Durch die unsichere Lage in Algerien, vor allem in den ländlichen Wald- und Berggebieten, ist es kaum möglich, eine genaue Auskunft über den Bestand an Atlashirschen in Algerien zu bekommen. Heute soll sich der  Bestand bei 100 Tieren bewegen. 

Marokko: In Marokko wurde der Atlashirsch schon vor 2000 Jahren ausgerottet. Während eines Symposiums des CIC in Fes 1983 wurde auf Anfrage des Marokkanischen Landwirtschaftsministeriums beschlossen, Atlashirsche aus Tunesien nach Marokko zu verbringen und dort wieder einzubürgern. Voraussetzung war, die zu dieser Zeit in Marokko vorhandenen spanischen Hirsche zu entfernen. Dies ist inzwischen vollzogen. 1989 wurden   die ersten 7 Atlashirsche  von  Tunesien eingeführt. Später folgten weitere 6 Tiere. Im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe wurde im Nationalpark Tazekka ein 500 ha großes Reservat für Atlashirsche eingerichtet. Der jetzige Bestand in Marokko beträgt mehr als 120 Atlashirsche im Nationalpark Tazekka und in einem Gatter in der Nähe von Ain Leuh.  Vorgesehen ist, dass die Atlashirsche später in der Macchie und den Eichenwäldern im Mittleren Atlas  und im Rif ausgesetzt werden. 

Tunesien: In den 60er Jahren wurde die Gesamtpopulation in den Wäldern  im Nordwesten Tunesien und Nordosten Algerien auf ca. 200 Tiere geschätzt. Tunesien hat eine konsequente Politik des Schutzes des Altlashirsches umgesetzt. 3 Reservate und der Nationalpark El Feidja wurden eingerichtet. Die Wilderei konnte begrenzt werden. Durch all diese Schutzmaßnahmen hat sich der Bestand auf mehr als 2000 Tiere vergrößert.  Das Vorkommen ist heute auf gesamten Nordwesten Tunesien verteilt.  

Vorschlag zum weiteren  Vorgehen 

Die Gefahr des Aussterbens dieser Wildart ist im Moment gebannt. Allerdings müsste ein wirksames Manage-ment jetzt dafür sorgen, dass sich die Anzahl der Tiere weiter erhöht. In Algerien und Marokko sind die Zahlen noch relativ gering. Es müssten Großgatter von mindestens jeweils 400 ha geschaffen werden, damit sich die Bestände weiter entwickeln können. Marokko hat inzwischen auch einen Vorschlag des CIC umgesetzt, die Bestände des spanischen Rotwildes zu elimi-nieren. Damit kann es keine genetische Vermischung der beiden Unterarten mehr geben. 

Für alle drei Länder sollte jetzt ein mittelfristiger Management- und Aktionsplan erstellt werden. Sinnvoll dafür wäre eine kurze Studie, die den aktuellen Sachstand beschreibt und vor dem Hintergrund international anerkannter Konzepte zum Management von Rotwild erste Vorschläge macht. Danach könnte ein 2 -3 tägiger Planungsworkshop der drei Länder unter Beteiligung des CIC stattfinden.  Nach Möglichkeit sollten auch internationale und Entwicklungshilfeorganisationen eingebunden werden, wie etwa die FAO, GTZ, IUCN etc. sowie die Internationale Wildtierstiftung (IGF). 

Der Management- und Aktionsplan könnte alle Aspekte  eines nachhaltigen Wildtiermanagement in den Lebensräumen des Atlashirsches im Maghreb umfassen. Dazu gehören weitere Einbürgerungen in Algerien, die Entwicklung von Tourismus in den ländlichen Gebieten als Einnahmequelle, Schutzmaß-nahmen, um Wildschäden zu reduzieren und Wilderei-bekämpfung. Die Einnahmen aus dem Tourismus können in Schutz und  Hege investiert werden sowie  der lokalen Bevöl-kerung zugute kommen. Mit einer besseren Kontrolle der illegalen Entnahme kann mit einem kurzfristig steigenden Bestand gerechnet werden.  

Es wird vorgeschlagen, dass der internationale CIC in Zusammenarbeit mit den Forstverwaltungen der drei Länder und nationalen und internationalen Fachleuten zunächst die Studie durchführen lässt. Es wäre wünschenswert, wenn sich auch nationale CIC-Delegationen von Mittelmeer-Ländern, die den Staaten des Maghreb besonders nahe stehen, engagieren könnten. 

Literatur

MULLER, Hans Peter et Said Hajib, La réintroduction du cerf de Berbérie au Maroc (82), Terre et Vie  20.01.1999

OSWALD, Christian, Das Rotwild der Erde“ – Geschichte, Verbreitung und Formenvielfalt, Eigenverlag 2010 

TRENSE, Werner, The Big Game of the World, Hamburg und Berlin 1989 (German version Graz 2005)

Verbreitungskarte siehe: http://www.elisabeth-hamel.de/oswalds56.pdf

 Summary: Reflections on the Situation of the Barbary Deer (Cervus elaphus barbarus) in North Africa

Joachim A. Wadsack, CIC Tropical Wildlife Commission  

Of the many species of red deer (Cervus elaphus) only one endemic type can be found in North Africa, i.e. the subspecies C. e. babarus. It was once distributed all over North Africa, but was eventually pushed back into a small population in the Algerian-Tunisian border area as a result of deforestation, excessive hunting and the climate change since the Roman times. In modern times population growth, forest fires and poaching have further decreased numbers. The deer is protected in its entire habitat, but this is not always respected. Most areas are lacking an effective wildlife management.  

Algeria only has around 100 animals today. In Morocco the Barbary Deer already died out around 2000 years ago. Late last century 13 animals were introduced from Tunisia into a reserve, which was established in the National Park Tazekka with help of the German Development Cooperation. Currently there are more than 120 animals. The non-indigenous Spanish red deer has meanwhile been removed from the country. Tunisia: In the 1960’s, the total population of Barbary Deer was estimated to consist of about 200 animals. Due to a consistent protection policy and the creation of four protected areas the population has increased to more than 2,000 animals that are spread out all over the northwest of the country. The best pre-conditions for a population growth exist in Tunisia.  

A management and action plan is now overdue and a short study would be useful as a first step. It should describe the current status and make management suggestions on the basis of internationally acknowledged concepts of red deer management. A planning workshop with participants from the three countries and with active participation of CIC could follow. If possible, international and development aid organizations should take part as well, such as the FAO, GTZ, IUCN etc, as well as the International Game Foundation (IGF). Furthermore it would be desirable, if national CIC Delegations from Mediterranean countries with close ties to the Maghreb states could engage themselves too.

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Trophy Plains Game hunting near Port Elizabeth in South Africa & Big5 hunting in the Zambezi Valley of Zimbabwe.

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